Ich würd' hier nicht baden
"Greenies" vom Schiller-Gymnasium
messen die Wasserqualität
Berliner Zeitung, April 5, 1994
Von Daniel Sturm
Auf der Suche nach Ölfilm, Sauerstoff oder
Phosphaten treffen sich 30 Jugendliche Woche für Woche im Schiller-Gymnasium.
"G.R.E.E.N" ist der Markenname dessen, was Chemielehrer Helge
Saval mit seinen jungen Forschern produziert: Praktische Umwelterziehung
am Beispiel von Gewässer-Analyse.
"Det sind allet Spitzenleute", flüstert Helge Saval.
Der "Teamchef" der engagierten Schüler will nicht, daß
sie es hören - sich womöglich noch etwas auf sein Lob einbilden.
Seit 1993 hat sich der 57jährige dem Projekt "G.R.E.E.N"
verschrieben. In 125 Ländern ist dieses Umwelt-Netzwerk durch Kinder
und Jugendliche vertreten. Rein finanziell springt dabei fast gar nichts
ab. Im Gegenteil. Ständig ist Saval auf der Suche nach neuen Geldgebern:
"Wir brauchen noch ein Schlauchboot." Lehrer treten ehrenamtlich,
Schüler freiwillig in die freie Natur, um aus ihr zu lernen. "An
erster Stelle steht das Fachwissen und die Idee", erklärt
Saval das Konzept von "G.R.E.E.N".
Umwelt statt Handball
Am Nottekanal sammelt sich eine Traube von Schülern ums transportable
Wasserlabor. Routiniert bedienen zwei Mädchen das Sauerstoff-Meßgerät:
"Ich würde hier nicht baden gehen", meint die 14jährige
Franziska. Überrascht muß sie allerdings feststellen, daß
der Sauerstoffgehalt mit 80 Prozent eigentlich ja noch ganz gut ist.
Ein wenig pikiert rümpft sie die Nase: "Faulig riecht's trotzdem!"
Daneben bereitet Linda mit geschulten Handgriffen die Phosphat-Messung
vor. Die Achtkläßlerin wurde "Greenie", weil sich
mehr für Umwelt als etwa Schulchor oder Handball interessiert.
Wenn das untersuchte Gewässer verdreckt ist, würde sie ohne
Skrupel bei der Stadtverwaltung protestieren. "G.R.E.E.N"
gäbe ihr dazu Rückendeckung.
Stark erhöhte Phosphat-Werte stellte eine Gruppe junger Schiller-Gymnasiasten
im Februar fest. Saval zog die Alarmglocke und informierte sofort das
Umweltamt. Für ihn war klar, wie die Notte dazu kam: durch Schwarzeinleitungen.
Im Landratsamt bekam man schnell Wind von der Professionalität
der "Greens". Die Behörde erteilte sogar einen ersten
Analyse-Auftrag, als sich am Krebssee der Verdacht erhärtete, ein
Ölfilm würde das Gewässer lahmlegen.
"Jetzt werft mal die Bombe aus", schreit Saval Mike und Tobias
zu. Die beiden 14jährigen gehorchen ohne zu zögern - in hohem
Bogen fliegt die Ufo-förmige "Meßbombe" in die
Mitte des Flusses. Die Probe soll Aufschluß über die Gewässergüte
geben. Mike weiß: "Die liegt so zwischen II und III."
Er führt zweimal pro Woche Analysen an Gewässern durch. Als
"Meßpate" ist er unersetzlicher Bestandteil der "Greenies".
Daten werden erfaßt
Derzeit widmen sich Helge Saval und seine Greenies einem großflächigen
"Umweltreport". Am Computer werden alle Daten vom pH-Wert
bis zur Wasser-Sichttiefe eingespeist. In Zusammenarbeit mit anderen
ansässigen Gruppen soll ein Zustandsbericht der Gewässer rund
um KW entstehen. Die "Greenies" legen den Finger auf die Wunde.